029 Dachrehling
Venetis GmbH
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Roboter-Parade zum Metallteile schleifen

Ohne Automation geht im Bereich Schleifen von Serienteilen aus Metall nicht mehr viel. Auf diesen einfachen Nenner lässt sich das Anforderungsprofil der Automobilindustrie bringen. Denn die dort verbauten Metallteile müssen höchsten Design-, Maß- und Qualitätsansprüchen genügen. Doch reproduzierbar exaktes Schleifen von Metallteilen ist mehr als nur Schleifen.

Das Schleifen von Metallteilen aus verschiedensten Werkstoffen wie Stahl, Edelstahl, Alu, Kupfer, Magnesium und dergleichen mehr ist eine Wissenschaft für sich. Betrachtet man zum Beispiel Armaturen in Bad und Küche oder auch Zierblenden, Spiegelgehäuse und Zuggriffe in Fahrzeugen, dann fällt einem gleich auf, dass sie satt und geschmeidig in der Hand liegen, dass sie schön anzusehen sind, dass sie keinerlei scharfe Kanten oder gar Grate haben und auch äußerlich keinen Makel aufweisen. Fertigungstechnisch steckt da eine ganze Menge Arbeit dahinter, denn die Rohteile müssen nicht nur mechanisch bearbeitet werden, sondern es gilt auch die Gießgrate zu entfernen und die Oberflächen zu glätten und dies geschieht nach wie vor per aufwändiger Schleif- und Polierbearbeitung. Wer weiß das besser als Kyriakos Venetis, der Anfang der 60er Jahre als einer der ersten „Gastarbeiter“ aus Griechenland nach Deutschland kam, um hier Arbeit und Brot zu finden. Heute steht der nun fast 75-jährige Selfmade-Unternehmer einer kleinen mittelständischen Gruppe mit vier Betrieben vor, die sich hauptsächlich mit dem Schleifen und Polieren, mit dem Strahlen, mit der mechanischen Bearbeitung und mit der Oberflächenbehandlung von Metallteilen aller Art beschäftigt. Die größte Einzelfirma ist die Metallschleiferei Kyriakos Venetis in 71397 Leutenbach-Nellmersbach und dort arbeitet auch der Großteil der aktuell rund 60 Beschäftigten. Doch der Reihe nach: Kyriakos Venetis hatte bereits im Jahr 1967 die Chance erkannt, sich mit einer Metallschleiferei selbständig machen zu können und er hat diese Chance nachhaltig genutzt! Gestartet mit lediglich zwei Mitarbeitern, erfuhr der Metallschleifbetrieb eine stürmische Aufwärtsentwicklung, so dass nach mehrmaligem Umzug in größere Räumlichkeiten im Jahr 1986 der Bau eines großen Firmengebäudes mit Produktionshallen anstand. Danach ging es weiter nach vorne und die Firma Venetis hatte sich mittlerweile als Top-Dienstleister für Metallschleif- und Polierarbeiten einen sehr guten Namen gemacht, so dass in Boomzeiten jährlich bis zu 1,8 Mio. Außenspiegelrahmen bearbeitet wurden.

Perfektes Finish für Metallteile

Die Auftraggeber aus der Automobil-Industrie und deren Zulieferer sowie weitere namhafte Produzenten aus anderen Bereichen sind bis heute treue Kunden. Zumal sich Kyriakos Venetis und seine beiden ebenfalls im Betrieb in der Geschäftsleitung aktiven Kinder, Sohn Dimitrios und Tochter Dimitra, gegenüber neuen Technologien immer sehr aufgeschlossen zeigten und zeigen. Die vergangenen Jahre Revue passieren lassend, sagte Kyriakos Venetis:

„Wir haben in der Vergangenheit ein großes Know how beim Metallschleifen und Polieren gewonnen, von dem wir bei unserer täglichen Arbeit stark profitieren. Die Kunden kommen mit einem Problem zu uns und wir lösen es, in dem wir Versuche fahren, Vorrichtungen bauen, Bearbeitungsstrategien entwickeln und dann mechanisch komplett gefinishte Teile abliefern. Dabei ist zwar nach wie vor viel handwerkliches Können und manuelles Arbeiten erforderlich, jedoch geht ohne Automatisierung sprich Robotik so gut wie gar nichts mehr. Die Kunden verlangen exakt reproduzierbare Maß-, Schleif- und Polierqualität bei knappster Kalkulation und das ist ohne weitgehende Unterstützung durch Robotersysteme einfach nicht mehr zu machen“. Als nun speziell die Automobilindustrie immer höhere Anforderungen stellte, stieg man ab 1994 in die Roboterschleif- und Poliertechnik ein und arbeitet seither mit den Schleif- und Polierroboter-Spezialisten SHL Automatisierungstechnik AG aus D-78583 Böttingen zusammen. Heute betreibt die Firma Kyriakos Venetis allein im Stammwerk in Leutenbach-Nellmersbach neun Schleif- und Polierroboteranlagen plus 17 manuelle Schleif-/Polierplätze und im Werk Gingen an der Fils eine weitere Schleif- und Polierroboteranlage. Im Normalfall wird zwei- oder dreischichtig gearbeitet und von bestimmten Produkten verlassen aus einer Auftragscharge von zum Beispiel 20.000 Stück pro Tag bis zu 2.500 JIT-gefertigte bzw. komplett geschliffene und polierte Bausätze das Werk. Dazu sagte Dieter Philipp, langjähriger Mitarbeiter und Technischer Betriebsleiter: „Die Kombination aus Schleiftechnik-Know-how und Robotertechnik ist uns in Fleisch und Blut übergegangen, weil wir dauerhaft eine sehr hohe Qualität garantieren müssen und für die wirtschaftliche Schleif- und Polierbearbeitung eine sehr hohe Prozesssicherheit brauchen. Wir nutzen die Leistungen und das Können der Roboter schon sehr stark aus, weshalb wir auf einen starken, umfassend kompetenten Technologie-, Liefer- und Servicepartner brauchen“.

Automation für reproduzierbare Qualität und rechenbare Wirtschaftlichkeit

Wie eng und vertrauensvoll der Kunde Kyriakos Venetis und der Roboterschleif- und Polieranlagen-Hersteller SHL Automatisierungstechnik AG zusammenarbeiten, wurde im Sommer 2007 deutlich, als ein Großbrand an Gebäuden und Schleif- und Polieranlagen einen unermesslichen Schaden anrichtete. Mit Hilfestellung von allen Seiten gelang es, den Betrieb soweit aufrecht zu erhalten, dass die Kunden ordnungsgemäß beliefert werden konnten und parallel dazu startete bereits die Aufbauarbeit. Für SHL Automatisierungstechnik ergab sich daraus ein größerer gestaffelter Auftrag von neun Roboterschleif- und Polieranlagen, der sich hinsichtlich Lieferung und Installation über einen gewissen Zeitraum hinstreckte. Insgesamt orderte die Firma Venetis bei SHL gleich mehrere Industrieroboter namhafter Hersteller in verschiedenen Traglastgrößen (16 bis 60 kg) und Ausführungen. Dazu kamen jeweils besonders konstruierte Robotersockel von SHL und es wurden vor allem auch 13 SHL-Bandschleifaggregate vom Typ FKS 250/450-S Aluminium (entsprechend geschützte und gekapselte Ausführung mit TÜV-Zertifikat!) sowie fünf zusätzliche Schleifemulsionsbehälter geliefert. Dimitra Venetis führte dazu aus: „SHL hat uns in dieser Situation kräftig geholfen, in dem zum Beispiel der 60 kg-Roboter direkt aus dem Vorführ- und Schulungszentrum von SHL übernommen werden konnte. Außerdem stellte uns SHL nicht nur alle Anlagen-Komponenten zur Verfügung, sondern auch einen Monteur, so dass wir vor Ort und in Eigenregie sofort wieder mit der Installation, Integration, Inbetriebnahme und Vollarbeit beginnen konnten. Parallel dazu wurde bei SHL in Böttingen ein Mitarbeiter ausgebildet, um die Roboteranlagen bei uns selbstständig bedienen und betreuen zu können. Bis auf einen Kunden sind alle bei der Stange geblieben und wir konnten durch die zwei zusätzlich installierten Roboterschleif- und Polieranlagen die Produktionskapazität weiter erhöhen“.

Resümee

Abschließend wäre noch zu erwähnen, dass die kleine, feine Unternehmensgruppe Venetis am Ende gestärkt aus der Katastrophe hervorging. Denn heute werden auch andere Metallteile wie Motorrad-Komponenten, Ofentüren, Spritzgießpistolen, Präzisionswerkzeuge, Spannfutter und Zierelemente komplett gefinisht, wodurch sich die Abhängigkeit von der Automotive-Industrie etwas verringert bzw. das Kundenspektrum verbreitert. Das ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der konsequenten Ausrichtung auf das robotergestützte Schleifen und Polieren, weil die SHL-Anlagen ohne großen Aufwand schnell auf neue Schleif- und Polieraufgaben umgerüstet und damit sehr flexibel eingesetzt werden können. Fachkräfte-Know-how zum Schleifen und Polieren trifft Multifunktionalität der Roboter und der Schleif-/Polierstationen von SHL – mit dieser Kombination dürfte die „Erfolgsgeschichte Venetis“ noch über Jahre hinaus fortgeschrieben werden.